St. Sebastian

Die Sebastianikirche war den Landshutern wichtig, nicht zuerst wegen ihrer baulichen Qualitäten. In der Hilflosigkeit gegen die Pest, die Landshut mehrmals heimgesucht hatte, wurde für das neue Kirchlein von 1490 der heilige Sebastian im Jahre 1493 „feierlich als Stadtpatron erwählt“. Der Sebastiani-Bruderschaft (gegründet 1491) war sie die Bruderschaftskirche. Die Schützenbruderschaft wusste sich dort „ihrem“ Patron verbunden. Für alle Menschen war sie ein Ort der Hoffnung in Krisenzeiten, in Krankheit und besonders in „Wassernot“, die bis zum Bau der Flutmulde fast jedes Jahr im Frühsommer die Stadt bedrohte (siehe Votivbild an der Seitenwand). Bis heute feiert der Stadtrat um den 20. Januar das Sebastiani-Amt.

Baugeschichte

Ein Datum für das erste Sebastianikirchlein gibt es nicht. Das Patrozinium legt nahe, dass die erste Kapelle im Zusammenhang mit einer Pestepidemie – eine solche brach 1444 über Landshut herein! – erbaut wurde. 1489/90 wird für den Stadtteil Zwischenbrücken außerhalb der Stadtmauern ein spätgotischer Neubau errichtet. Gleichzeitig wurde ein Priester, ein „Expositus“ eingesetzt, der bei St. Sebastian wohnen und auch für die Kranken und Sterbenden erreichbar sein sollte, wenn bei Nacht das Stadttor beim Hl.Geist-Spital geschlossen war.
1661/62 wird das baufällige Gotteshaus abgerissen und die barocke Kirche errichtet. Erst 30 Jahre später wird sie ausstukkiert (Desiderio Maderna 1694/95). Zweimal noch wird die vordere Chorpartie abgerissen und nach vorne erweitert (1721 und 1900). In den letzten Jahrzehnten sind verschiedene größere Renovierungen nötig geworden, die umfangreichste von 1995 bis 2008.

Bedeutende Kunstwerke

Über die gotische Ausstattung ist nichts bekannt.

Zur Barockausstattung: gehört das beiderseitige Chorgestühl. Eine Reihe von Jorhan-Figuren finden sich in der Kirche. Von Christian Jorhan stammen: Barbara (1787); Maria mit Kind sowie Florian und Nepomuk (1792). Vier weitere Brustbilder von ihm wurden nach St. Jodok ausgelagert. Von Christian Jorhan d. Ä. stammt nicht nur das Antependium (1797) mit dem Tod des hl. Sebastian. Seit der Jahrhundertwende 1900 stehen seine zwei lebensgroßen Figuren Petrus und Paulus zu beiden Seiten des Altares, die möglicherweise aus dem Landshuter Franziskanerkloster nach der Säkularisation stammen. Das große Votivbild von 1771 (Kopie) dankt für die Rettung der Stadt vor der Überschwemmung auf die Fürsprache des Stadtpatrons (Zacharias Lehrhuber 1771).
Die Schleifladen-Orgel (Adam Ehrlich, 1860 Passau) wurde immer wieder überholt und ausgebessert, letztmals 1974.

Kirchenpatron

Sebastian war Offizier der kaiserlichen Leibgarde in Rom und wurde wegen seines Glaubens zum Tod durch Erschießen verurteilt. Der Totgeglaubte wurde gesund gepflegt und erholte sich wieder. Als er vor den Kaiser trat und diesem Vorwürfe  wegen seines Verhaltens den Christen gegenüber machte, ließ ihn dieser mit Knüppeln erschlagen.

Gedenktag ist der 20. Januar. Am benachbarten Sonntag feiert der Stadtrat jährlich sein „Sebastiani-Amt“. Diesen uralten Brauch haben in den zurückliegenden Jahren weitere Vereine und Gruppen wieder aufgegriffen, z. B. der Wallfahrtsfrauen-Verein, die Königl. privil. Feuerschützengesellschaft von 1491 usw.

Weitere Informationen

Zum 500-jährigen Jubiläum hat die Pfarrei die Geschichte des Kirchleins drucken lassen:
Max Bengel, Sankt Sebastian in Landshut zwischen den Brücken, 1990, 160 Seiten.

(Autor: Pfr. Alfred Rössler)

Katholische Pfarrei Sankt Jodok, Landshut, Niederbayern – Gottesdienste, Ereignisse aus der Pfarrei